2018, ein Brief an Dich.

Liebes Jahr 2018,

Noch 2 Tage. Dann gehörst du endgültig der Vergangenheit an. Voller Dankbarkeit schreibe ich Dir diese Zeilen, denn Du hast mir 365 wundervolle Tage geschenkt. Jeder einzelne Tag war so unendlich wertvoll, geprägt von Liebe, Entwicklung und Ich-sein.

Weißt du noch? Was wir beide zusammen erlebt haben! Haben Meilensteine gesetzt, Herausforderungen gemeistert und Krisen überwunden. Waren himmelhochjautzend glücklich und am Boden zerstört. Waren voller Tatendrang auf der Suche nach Abenteuern und fauler als altes Toastbrot. Waren manchmal verschlossen und haben gelernt uns zu öffnen. Gefühle anzunehmen, zu akzeptieren und zu zeigen. Hatten Selbstzweifel und Schuldgefühle, um am Ende zu lernen uns selbst am allermeisten zu lieben. Haben uns angenommen und für gut befunden. Wollten Seelenfrieden finden indem wir äußere Umstände ändern und haben gelernt, dass innerer Frieden nicht von außen beeinflussbar ist. Wurden von Tag zu Tag dankbarer für alles was bereits vorhanden ist und haben erkannt, dass hier und jetzt ALLES vorhanden ist um glücklich zu sein. Mussten nur lernen all das Glück wahr werden zu lassen und für uns zu nutzen. Konnten angebliche Probleme lösen und erkennen, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert. Haben uns auf so vielen Ebenen weiter entwickeln können: Mental, psychisch, physisch und spirituell.

Liefen schneller, kletterten höher und fuhren weiter um zu entdecken, dass Tiefe wichtiger ist als Tempo, Höhe oder Entfernung.

2018, ich werde Dich in guter Erinnerung behalten. Doch nun ist es wirklich an der Zeit Dich gehen zu lassen. Denn auf mich wartet ein neues Jahr, welches erneut 365 wundervolle Tage bereit hält. Jeden Tag werde ich nutzen wie ein neues Leben und mich immer ein kleines Stück weiter entwickeln.

Wie bereits Yogi Bhajan sagte: Gehe in Dich und höre auf deine innere Stimme. Jede Frage hat eine Antwort. Deine Seele ist voller Weisheit und kennt bereits deinen Weg.

2019! Ich wähle Liebe, Fülle und Gesundheit.

Namasté,

Anna

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Alleine wandern

Abenteuer ohne Risiko nennt man Disneyland.

Die zur Wahrheit wandern, wandern allein.

Der Kopf voll von unlösbaren Problemen. Im Brustkorb schlägt still die verwundete Blutpumpe. Und im Schuhschrank schreien die Wanderschuhe nach einer neuen Herausforderung. Zeit aufzubrechen. 

Das Schöne daran, mitten in der Woche etwas unternehmen zu wollen? Es hat keiner Zeit. Dadurch war ich mehr oder weniger gezwungen alleine in die Natur zu fahren. Aber ich wollte es auch nicht anders. Ich wollte nicht, dass mich jemand mit seinen Problemen zuquasselt, wollte nicht über Gott und die Weltgeschichte plaudern. Ich wollte mich einfach ganz allein mit mir und meinen Gefühlen, Bedürfnissen, Ängsten und Fragen beschäftigen. Zu meinem Innersten finden, ähnlich wie bei einer Meditation. Nur mit Bewegung.  Aktive Erholung für die Seele, fernab von Instagram und geschäftlichen Mails. 

Mein Mini-Abenteuer führte mich nach Wolkenstein ins Erzgebirge. 2 Grad Celsius Außentemperatur, der erste Schnee lag auch schon. Meine erste Amtshandlung hieß also: Schneemann bauen! Danach führte mich eine kurze Waldwanderung zu den Klettersteigen. Zum Glück war durch den Feiertag die Baustelle nicht in Betrieb, so dass ich die „Betreten verboten“ Schilder getrost ignorieren konnte. „Jegliche Kletterstiege vorübergehend gesperrt“ …Egal. Bisschen Adrenalin muss schließlich auch sein. Also kletterte ich zum ersten Mal statt in der Boulderhalle am Fels. War aufregend, besonders weil meine Finger vor Kälte fast abgestorben wären und der Fels durch den Schnee etwas glatt und ungriffig war. Für eine Sekunde, als ich mich an einem kleinen Überhang festkrallte, dachte ich ganz kurz, dass es jetzt doch ganz schön wäre eine 2. Person dabei zu haben. Falls ich mir den Kopf aufschlagen würde oder so. Aber alles gut gegangen. Ich war ja gesichert. 

Die Entscheidung glücklich zu sein

Es ist meine Geschichte über das wahrscheinlich erkenntnisreichste Wochenende meines bisherigen Lebens. 

Ich saß im Zug. War traurig. Zur Ablenkung hatte ich ein spannendes Buch dabei. Gelesen habe ich höchstens eine Seite. Denn ich konnte vor lauter Tränen die Buchstaben nicht mehr sehen. Ich hatte nicht einmal Taschentücher dabei um die Tränen weg zu wischen, aber ich wollte sie auch gar nicht weg wischen.  Ich wollte den Schmerz fühlen und in aller Öffentlichkeit raus lassen. Schließlich wird in Zügen ja auch ständig laut gelacht, wieso also nicht einfach mal drauf los heulen. Nur eines fand ich komisch: Es hat keinen interessiert. Der Zug war rappelvoll und keiner hat sich erkundigt, ob alles okay bei mir ist. Stellt euch mal vor, ich wäre gestolpert und hätte mir das Bein gebrochen. Alle wären aufgesprungen, hätten mir aufgeholfen und vielleicht einen Arzt gerufen. Weil ein gebrochenes Bein eine sichtbare Wunde ist. Wunden müssen geheilt werden. Ein gebrochenes Herz ist auch eine Wunde. Auch diese Wunde muss geheilt werden. Mit viel Selbstfürsorge, Liebe, Zeit und Selbstreflexion. Erkenntnis Nr. 1: Pflege deine Seele mindestens so intensiv wie deinen Körper

Ich stieg aus und kam in der schönsten Stadt der Welt an. Die Sonne schien und hat das dreckige Bahnhofsviertel ein wenig heller erleuchten lassen. Ich war noch etwas geschwächt von meiner inneren Wunde, so dass ich mich mitten in dieses dreckige Bahnhofsviertel gesetzt habe, um ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen. Dabei blieb mein Blick an einem offensichtlich Obdachlosen hängen. Wer den letzten Blogeintrag gelesen hat weiß ja, dass mich Obdachlosigkeit nicht kalt lässt. Ich schaute mir den Mann ein paar Minuten an. Kaputte Hose, durchgetretene Schuhe, dünne Jacke und ein tieftrauriger Gesichtsausdruck. Es ist Ende November! Was muss dieser Mann gefroren haben.  Was muss dieser Mann durchlebt haben, um so einen traurigen Eindruck zu hinterlassen. Hätte ich ihm an diesem Tag meine Geschichte erzählt, hätte er sich vielleicht gedacht: Hat die ein Glück.So viel Freude im Leben, da wäre ihr doch ohne die traurigen Phasen total langweilig. Und es stimmt.Wir sollten so viel mehr Dankbarkeit für das zeigen, was uns selbstverständlich erscheint. Wohnung, festes Einkommen, regelmäßiges Essen, saubere Kleidung, liebe Menschen die uns Halt geben wenn wir traurig sind. Es gibt Menschen mit wirklich schlimmen Schicksalsschlägen, denen es deutlich schlechter geht als mir. Und auch diese Menschen scheinen das irgendwie zu überleben. Am Anfang meiner Traurigkeit dachte ich noch: „Es geht keinem so schlecht wie mir“. Aber das stimmt nicht. Jedem geht es mal schlecht und es geht sehr, sehr vielen Menschen sehr viel schlechter als mir. Deshalb kommt jetzt Erkenntnis Nr.2: Es ist nicht so schlimm.  

Gleiches Wochenende, neuer Tag. Ich traf mich mit einer Freundin, die sagen wir mal..neulich in eine ähnliche Situation geraten war wie ich. Mit dem Unterschied, dass meine „Situation“ noch sehr viel frischer ist und meine Freundin in der Verarbeitung wahrscheinlich schon sehr viel weiter ist als ich. Genau deswegen konnte sie mir aber wirklich weiter helfen und mir die Augen öffnen. Wir gingen spazieren, denn spazieren hilft immer. Ich erzählte ihr kurz meine Geschichte. Und anstatt solche Dinge wie „oh wie schade“, „Das wird schon wieder“, „kopf hoch“ oder „er wird schon merken dass es ein Fehler war“ zu sagen, sagte sie mir knallhart, dass das Ganze eh zum Scheitern verurteilt war. Dass es wahrscheinlich das Beste ist. Denn die Liebe ist wie alles andere im Leben eine Entscheidung. (Erkenntnis Nr.3) Und für eine Partnerschaft müssen sich beide Partner aktiv und mit vollem Bewusstsein für diese Beziehung entscheiden. Diese Entscheidung sollte auch später nicht durch schwierige Phasen angezweifelt werden. Zweifeln ist zwar okay und wichtig. Aber auch hier werden wieder ganz bewusst Entscheidungen getroffen. Will ich diesen Weg weiter gehen? Will ich versuchen eine Lösung zu finden oder will ich der schwierigen Situation entfliehen und es mir leicht machen? Will ich, dass es mir gut geht und muss ich dafür etwas ändern? Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Will ich dieses Gefühl zu lassen? Wir entscheiden uns für und gegen unsere Gefühle,so wie wir auch entscheiden mit wem wir unser Leben teilen möchten. 

In dem Gespräch mit meiner Freundin sagte Ich so etwas wie: „Aber keiner ist so toll wie er. Noch nie zuvor konnte ich mich jemandem gegenüber emotional so öffnen. Keiner wird sich jemals wieder so für mich interessieren.“ Aber das ist natürlich totaler Bullshit! Es war MEINE Entscheidung mich zu öffnen. Es war meine Entscheidung mich vor so vielen anderen Personen zu verschließen. Wenn ich will, kann ich mich jeder anderen Person gegenüber öffnen und Gefühle zeigen. (Nr. 4). Das hat rein gar nichts damit zu tun, dass mein Gegenüber sonst wie toll ist. Es liegt allein in meiner Hand. Gefühle für alle! 😀 

Erkenntnis Nummer 5 ist eigentlich gar keine neue Erkenntnis.  Es ist etwas, dass ich schon immer wusste und sogar gelebt habe! Ich vergaß es nur zwischenzeitlich. Meine rosarote Brille war ganz schön beschlagen. Die Erkenntnis lautet: Ich brauche keine Beziehung um glücklich zu sein.  Es war zwar wirklich unglaublich nice to have, aber keineswegs essentiell. Wirklich wichtig ist es, dass ich mich selber liebe, mit mir im reinen bin und ich selbst mein stärkster Wegbegleiter bin. Und genauso ist es auch mit allem anderen im Leben. Lange dachte ich, ich wäre unglücklich weil ich im Beruf unzufrieden wäre, weil meine Wohnung zu klein wäre und das nicht vorhandene Auto zu langsam. Aber das ist Quatsch. Solche Äußerlichkeiten können noch so perfekt sein, machen aber nicht glücklich. Ich mache mich ganz allein glücklich und kann DANN die Äußerlichkeiten optimieren.

Und bevor dieser Eintrag hier überdimensional lang wird, komme ich nun zu meiner letzten Erkenntnis von diesem Wochenende: Sei dankbar! Dankbarkeit ist für mich schon lange eine wichtige Haltung, aber in schwierigen Phasen fällt es eben manchmal schwerer sich daran zu erinnern.   

   

                Sei dankbar für den Schmerz, denn er lässt Dich stärker werden. 

                  Sei dankbar für herzerwärmende, schöne Erinnerungen. 

                 Sei dankbar für Trauer und Wut.

                Sei dankbar für aussichtslose Situationen, denn sie lassen dich                          nach neuen Lösungen suchen.                                                                                                                               

Das perfekte Leben – mein Gespräch mit einem Obdachlosen

Andere so: Perfekte Beziehung, Perfekter Job, Perfekte Wohnung 

Ich so: 3 verschiedene Soßen auf dem T-shirt, leeres Konto und chronische Verwirrtheit.

Menschen die so oder so ähnlich denken, lassen sich vermutlich zu sehr von selektiver Wahrnehmung lenken. Wer sich ein neues Auto kaufen möchte und sich über eine bestimmte Marke informiert, sieht plötzlich nur noch Autos dieser einen Marke. Wer überlegt, sich die Haare blau zu färben wird auf einmal überproportional viele Leute mit blauen Haaren sehen. Laufen tatsächlich zur Zeit so viele Leute mit blauen Haaren herum, oder blendet man einfach alle anderen Haarfarben aus? Das sind nur Beispiele, aber emotional funktioniert es genau so. Frauen mit ausgeprägtem Kinderwunsch sehen an jeder Ecke Mütter und glückliche Familien. Blenden nahezu alle Anderen aus. Menschen, die sich mit besonderen Zahlenfolgen beschäftigen, entdecken auch mehr Zahlenfolgen, als es andere Menschen tun (KfZ-Kennzeichen, Uhrzeiten wie 11:11, ö.ä). Nur weil jemand zeitweise alles als blöd empfindet, heißt es nicht, dass tatsächlich die ganze Welt um ihn herum blöd ist.

Selektive Wahrnehmung kann man trainieren. Den Blick in eine bestimmte Richtung zu lenken kann sich auf so manchen positiv auswirken. Ob man das jedoch braucht, oder ob man auch auch weiß mit negativen Ereignissen umzugehen, muss natürlich jeder für sich selbst heraus finden.

Mir ist jedoch vor ein paar Tagen bewusst geworden, wie unterschiedlich unsere Sichten auf die Welt tatsächlich sind. Nicht, dass ich das vorher nicht gewusst hätte… aber mal mit jemandem gesprochen zu haben, der die Welt wirklich von einer ganz anderen Perspektive sieht, hat dem Ganzen noch ein wenig Tiefe verliehen. Wem ist es noch nicht passiert – auf der Straße von einem Obdachlosen angesprochen zu werden, nach Geld gefragt zu werden. Man sieht das vermeintliche Elend über all. Mit Hund, mit Krücke oder mit Hut als „Spardose“.  Ganz ehrlich: zuvor habe ich ihnen noch nie groß Aufmerksamkeit geschenkt.

Er saß im warmen Eingangsbereich der Sparkasse und hat mir die Tür aufgemacht, nett gegrüßt. Zu erst dachte ich, er sei ein Mitarbeiter der Sparkasse, aber nach kurzer Beurteilung von Erscheinungsbild und Geruch war klar: Der sitzt hier weil er sonst kein Dach über dem Kopf hat. Er hat mich nicht nach Geld gefragt, aber die Mütze, die mit wenigen Centstücken gefüllt war, hat für sich gesprochen. Ich habe in etwa so etwas gesagt wie: „Geld hab ich nicht, aber ich war gerade Brötchen kaufen und wenn du magst, kannste eins haben“. Über das trockene Brötchen hat er sich gefreut, aber noch mehr darüber, dass ich mich neben ihn gesetzt habe und ebenfalls anfing zu essen. Ich saß dort am Ende über eine Stunde. Noch nie hat sich jemand so gefreut, dass ich ihm zugehört habe. Meine Frage: „Warum sitzt du hier?“ schien ihn erstmal etwas überrascht zu haben, aber er hatte keine Scheu mir von seinen Schicksalsschlägen zu erzählen. In seinen Augen haben alle Menschen, die wie ich durch diese Tür zur Sparkasse laufen ein perfektes Leben. Denn wer zur Sparkasse geht, hat ein Konto. Im besten Fall mit Geld drauf, durch arbeiten verdient. Wer arbeitet kann sich essen kaufen, saubere und frische Klamotten tragen. So sieht dieser Mann die Leute um ihn herum. Sie führen alle ein perfektes Leben. Und wie sehen die Leute ihn? Wahrscheinlich denken die wenigsten, dass dieser Mann ein perfektes Leben hat. Dabei scheint er ganz froh über seine gewonnene Freiheiten zu sein. Ausschließlich für sich selber verantwortlich zu sein.

Jeder sieht das Leben und die Menschen mit anderen Augen. Und das ist auch gut so. „Perfektion“ definiert sowieso jeder anders. Was bedeutet es schon, ein perfektes Leben zu haben? Vielleicht bedeutet Perfektion ja auch, 3 verschiedene Soßen auf dem T-shirt zu haben und chronisch untereiscremt zu sein 😉

Wie seht ihr das?

Es grüßt,

Anna

 

Die erste abgebrochene Wanderung

12.8.18: Sonntag früh halb 7. Zeit zum Aufstehen. Zeit um in die Natur zu fahren. Viel zu lang ist es schon wieder her.

Taxi-Anna macht sich motiviert auf in Richtung Salzatal, wohin auch sonst. Dort begangen wir den ersten Fehler des Tages: Losfahren ohne Kaffee. Wer kommt auf solch eine komische Idee? Naja, passiert uns nicht nochmal.

Taxi-Anna will weiter in Richtung Südharz. Motor anschmeißen…irgendetwas fehlt. Wohin fahren wir eigentlich? Natürlich liegt das Navi noch zu Hause in Leipzig.  Naja, passiert mir nicht nochmal.

Google-maps tut es natürlich auch. Nur hat Maps nicht so ganz verstanden, dass Taxi-Anna ein Auto ist. Einige unbefahrbare Waldwege später (Ausdrücklich verboten für KFZ), nach gefährlichen Wendemanövern auf steiler Schotterpiste und den kritischen Blicken der dort ansässigen Reh-Familie dann die Erkenntnis: Taxi-Anna ist (noch?) kein Geländewagen. – also doch zu Fuß weiter.

Kurze Geschichte, noch kürzere Wanderung: Wir haben es ganze 4Km bis zur ersten Gabelung geschafft. Nach Links zeigte der Pfeil in Richtung Cafè, nach rechts ging es zu den Aussichten. Ein Blick genügte. Diese Entscheidung wurde schnell gefällt. Kaffee!

Aber wer sagt schon, dass Wanderungen immer lang, actionreich und abenteuerlustig sein müssen? Ein weiser Freund fragte mich neulich: „Wann ruhst du dich eigentlich mal aus?“. Mit dieser Frage im Ohr konnte ich den Sonntag auch mal etwas ruhiger angehen lassen 😉

Auch auf kurzen Wanderungen kann viel erzählt werden. Nicht irgendwelches belangloses Zeug. Sondern wichtiges Zeug. Zeug aus dem Leben. Was man nur guten Freunden erzählt. Früher haben wir betrunken über Gott und die Welt philosophiert. Heute geht das auch einfach so. Anscheinend wird man doch mit der Zeit etwas reifer…

In diesem Sinne: ruhige Sonntagsgrüße,

Taxi-Anna

 

E5-Alpenüberquerung. Etappe 3

180 Kilometer.

6200 Hm bergauf.

7300 Hm bergab.

In 7 Tagen.

Trommelwirbel bitte. Popcorn holen. Es folgt nun: Die aussichtsreichste und anspruchsvollste Etappe unserer Alpenwanderung.

Halb 3 morgens. (Kleiner Reminder an dieser Stelle: ich habe auf dem Flur genächtigt). Zeit um Duschen zu gehen. Sicher habe ich im Waschraum jetzt meine Ruhe, während alle anderen noch schlafen. Falsch gedacht, denn diese Idee hatten wohl mehrere Leute. Ob die wohl alle, so wie ich, nicht mehr schlafen können weil es zwischen schnarchenden Menschen und knallenden Türen doch ziemlich laut ist? Halb 4 lege ich mich wieder in meine Schlafecke. Noch 2 lange, ungemütliche Stunden bis zum Frühstück… Tiefschlaf wird überbewertet.

Aufbruch zur Seescharte um 7 Uhr. Die großen Wandergruppen mit Wanderführer sind zum Glück schon vor uns los, so dass wir uns den Weg mit lediglich 10.000 anderen einsamen Wanderern teilen mussten. Einsamkeit sieht anders aus, aber immerhin kommt man so auch unterwegs leicht mit Gleichgesinnten ins Gespräch.

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Ließen sich nicht stören: Steinböcke

Der Weg wurde ziemlich früh ziemlich steil und steinig. Über große Geröllfelder ging es direkt Richtung Gipfel auf 2.600 Höhenmeter. ‚Geröllfelder‘ mag harmlos klingen. Aber ein kleiner, unaufmerksamer Tritt oder ein Ausrutscher nach links oder rechts, kann hier den Sturz in ungeahnte Tiefen bedeuten. Mit jedem Schritt weiter wird die Luft dünner, die Beine schwerer und der Kopf freier.

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Wie können Steine so schön sein?

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Gleich geschafft.

Kurz vor dem Gipfel hieß es dann erst einmal Schlange stehen, denn am kleinen Klettersteig der Seescharte stauten sich die Massen dann doch etwas. Doch das warten hat sich mehr als gelohnt. Denn: Klettern ist schön. Die Aussicht ist von oben ist aber noch viel schöner. Dieser Moment, über den höchsten Punkt des Berges hinüber zu schauen und zu wissen, was man geleistet hat. Zu wissen: Dafür bin ich hier. Grenzen überwinden, Risiken eingehen. Momente genießen. Alles genießen. Genießen zu spüren, dass man am Leben ist.

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Ein Aussichts-Junkie bin ich ja sowieso. Aber dieser Ausblick ist halt einfach SO. SCHÖN. 

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es auf der anderen Seite wieder bergab. Muskulär begann hier der anstrengende Teil. Denn 6 Stunden bergab laufen heißt auch, 6 Stunden zu bremsen. Das hat irgendwann so in den Waden und in den Schienbeinen gebrannt… Gebrannt hat es auch von oben, denn es war mittlerweile Mittags und die Sonne hat ihr übriges getan.

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Pause mit Blick.

Endlich unten angekommen haben wir die Füße im Bach gekühlt und sind dann zügig weiter, denn wir dachten die nächste Hütte würde bald kommen. Dem war auch so, aber die Hütte hatte geschlossen. Hungrig ging es also weiter. Die Wege wurden flacher, die Umgebung wurde grüner und da waren sie wieder: Die Kühe. Plötzlich standen wir vor einer Kuhherde. Bestimmt 20 Kühe auf einmal. Mitten auf dem Weg. Erst einmal googeln, ob die gefährlich sind und wie man sich am besten verhält, wenn Kälber dabei sind. Ach ups: Netz und Internet gibt es immer noch nicht. Also einfach durch.

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Süß der Kleine.

Nach einer kurzen Stärkung mit Brot, Käse und Skiwasser ging es dann auch die letzten 3 Stunden Richtung Zams. Dort angekommen war es schon ziemlich spät und wir hatten ein klitzekleines Problem: Wo schlafen wir? Unterkunft noch nicht gebucht, fingen wir ziemlich verzweifelt an uns durch die halbe Ortschaft zu telefonieren. Aber alles ausgebucht oder zu teuer. Doch eines war klar: Diese Nacht wird es ein richtiges Bett, ohne 200 Zimmergenossen. Und dann sprach uns eher zufällig die Rettung des Abends an. Eine Frau, sie meinte wir sähen aus als ob wir ein Zimmer bräuchten. Gesagt getan. Diesen Luxus von einem weichen, trockenem Bett, einer warmen Dusche und einem frischen Frühstück muss man erst einmal schätzen lernen. So gut geschlafen habe ich wahrscheinlich noch nie.

In diesem Sinne: Gute Nacht.

Anna

 

E5-Alpenüberquerung. Etappe 2

180 Kilometer.

6200 Hm bergauf.

7300 Hm bergab.

In 7 Tagen.

Etappe 2 führte uns vom Bernhardseck zur Memminger Hütte auf 2242Hm. Die Strecke betrug 18,45 Kilometer und kostete uns an die 10 Stunden Fußmarsch,Nerven aus Stahl und viel Sonnencreme.

Das gut behütete Bernhardseck war alles andere als überlaufen, so dass die Nacht ruhig war und wir ausgeschlafen am frühen Morgen starten konnten. Es ging zunächst über viele Felder und durch dichte Wälder. Hauptsächlich liefen wir hier bergab. Ich hatte schon Muskelkater (in den Schienbeinen), was das bergab-laufen teilweise sehr unangenehm machte. Unten im Ort angekommen gab es erst einmal Brotzeit und wir mussten uns kurz Zeit nehmen, um die Lage zu checken. Heißt: Kaffee trinken, Obst kaufen, Süßigkeitenvorrat aufessen und Wetterbericht gucken. Denn der Hüttenwirt vom Bernhardseck warnte uns vor: Heute wird es regnen und Gewittern! Wer da hoch in die Berge geht, ist selber Schuld. Das Wetter schien sich allerdings noch zu halten, die Sonne schien zwischen den Wolken immer wieder kräftig durch. Es folgte ein ellenlanger, geteerter Weg, relativ unspektakulär. Fast wurde mir schon ein wenig langweilig… Bis wir an eine Kreuzung kamen an der uns ein Schild darauf hinwies, dass hier ein „Abenteuerweg, von Kindern für Kinder“ entlang führen würde.Ich rechnete irgendwie mit einem normalen Weg mit Rätselschildern für Kinder. Stattdessen erwartete uns ein zusammengefallener Weg, ungewollte Kletterpassagen am Fels weil Weg weggebrochen, Tiergerippe (Murmeltiere?), Balancieren am Abgrund ohne Sicherung und die völlige Einsamkeit. Ich wollte Abenteuer, da hatte ich sie.

Fragen, die man sich auf verlassenen Wegen stellt:

Wer findet mich, wenn ich abstürze?

Wie rette ich ohne Handy jemand anderes, ohne mich in Gefahr zu bringen?

Wie kackt man umweltfreundlich in den Wald?

Ob Gewitter in den Bergen wohl sehr gefährlich sind?

Warum bin ich hier? (Nicht hier, sondern hier 😉 )

Kinderweg gut überstanden, gab es an der nächsten Hütte ein Bierchen zur Stärkung und dann ging es weiter Richtung Memminger Hütte. Unten am Berg gibt es eine Gepäckbahn, doch dieser trauten wir nicht so recht. Irgendwann merkt man den Rucksack eh nicht mehr. Laut Beschilderung waren es hier noch 2,5 Stunden bis zur Memminger Hütte. Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich denke wir haben schlappe 5 Stunden gebraucht. Diese Anstiege sind wir als Flachländler einfach nicht gewohnt, vor allem in der brütenden Hitze. Die letzten 5 Stunden waren sehr schön und aussichtsreich, haben sich aber hingezogen wie zäher Kaugummi. So waren wir sehr, sehr froh, als wir endlich die Hütte sahen. Der Weg dahin war so menschenleer, dass ich echt erstaunt war, dass die Hütte so voll war. Hier treffen viele große Wanderwege aufeinander und wir waren wahrscheinlich die einzigen Gäste ohne Reservierung. Alle Zimmer: Voll! Bettenlager: Voll! Notlager: Voll! Ich habe also auf dem Flur geschlafen. Nicht geschlafen. Gelegen.

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Gemütlich

Fazit: Diese Erfahrung muss man machen, auch wenn die Memminger Hütte einfach gnadenlos überfüllt ist. 4 Toiletten für hunderte von Menschen?! Geht alles.

Was mir während allen Hüttenübernachtungen bewusst geworden ist:

Ressourcen sind teuer und nicht überall auf der Welt frei verfügbar. (Wasser. Vor allem warmes)

Das Leben geht auch ohne WLAN, Netz, Strom und social-media weiter. Es geht nicht nur weiter, es ist sogar besser.

Zu Hause leben wir im absoluten Überfluss.

Schöne Aussichten gibt es überall. Man muss sie nur sehen. 

Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen. Hast du die Ehre eine zu hören: Hör zu. 

 

Anna

 

E5-Alpenüberquerung. Etappe1

IMG_20180716_111431180 Kilometer.

6200 Hm bergauf.

7300 Hm bergab.

In 7 Tagen.

Von Obersdorf nach Meran, die klassische E5-Alpenüberquerung. Wobei wir uns nicht 100 prozentig an die klassische Variante gehalten haben, sondern den ein oder anderen „Spezialweg“ genommen haben. Das fing schon an Tag 1 an. Die Streber gehen von Obersdorf nach Spielmannsau natürlich zu Fuß. Aber diese Etappe ist geprägt von Straße, Straße.. und Straße. Ganz ehrlich, dann lieber Kräfte sparen und hier den Bus nehmen. So haben wir in Spielmannsau in einem 8-Bettzimmer übernachtet und starteten von dort unsere erste Etappe.

Frühstück gab es um 7 und pünktlich um 8 Uhr sind wir los in Richtung Berge und Wälder. Die neuen Bekanntschaften aus dieser Unterkunft sollten wir hier nicht das Letzte Mal gesehen haben, denn auf dieser Strecke trifft man sich mindestens zwei Mal. Aber zurück zu „pünktlich“ gestartet. Ok, das war wohl nur die halbe Wahrheit. Ich habe mein Handtuch liegen gelassen und das ist mir natürlich erst nach 30 Minuten Fußmarsch eingefallen. Ja, ich hätte es liegen lassen können und einfach weiter laufen können, aber zu diesem Zeitpunkt war ich noch frisch und motiviert, so dass ich den Weg zurück gejoggt bin. Allerdings fand einer meiner Mitbewohner das Handtuch anscheinend auch ganz hübsch, so dass es NICHT mehr da lag.

Danach sind wir erst einmal relativ lange durch Wälder und über Wiesen gelaufen, vor uns haben sich bereits die Berge gezeigt und wir haben einen kleinen Vorgeschmack auf das bekommen, was uns die nächsten Tage erwarten sollte.

Bevor wir an der Kemptner-Hütte eine kleine Jause gemacht haben, haben wir noch die frei rumlaufenden Kühe bewundert, denn als Stadtkinder sieht man glückliche Almkühe doch eher seltener.

Ab dort ging es nicht auf der klassischen Route weiter, sondern Richtung Bernhardseck. Auf dem Weg dort hin haben wir schon einige Höhenmeter zurück gelegt und sind direkt in die allgäuer Hochalpen gelangt. Wahnsinn, wie klein man sich als Mensch da oben fühlt. Weit und breit nur Berge. Wäre dort oben ein Gewitter aufgezogen oder hätten wir uns verlaufen, wären wir absolut der Natur ausgesetzt gewesen. Keine Schutzhütte in Sicht, kein Netz und kein Internet um Hilfe zu organisieren.

Nach einigen Flussdurchquerungen, Geröllfeldern, Kuhherden, Salamandern und Murmeltieren haben wir einen der (meiner Meinung nach) schönsten Abschnitte der gesamten Route erreicht: einen Klettersteig. Ohne Klettersteigset und ohne Helm, aber wird schon nichts passieren. Haben ja Alpine Erfahrungen….Nicht 😀

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So sehen gute Wege aus.

In den Hochalpen herrscht im Hochsommer Frühling. Während bei uns in Mitteldeutschland alles vertrocknet, die Gräser gelb sind und die Seen pisswarm werden, durften wir dort die Natur in voller Pracht erleben. Alles blühte und blühte, ein paar Meter weiter schmolz der letzte Schnee weg. Das Wasser aus den Bächen war dementsprechend erfrischend.

Es folgte ein ellenlanger Abstieg zur Hütte. Der Abstieg war nun nicht mehr ganz so spannend wie der Hinweg. Dafür haben wir am Ziegenberg hunderte Schafe und Ziegen beobachtet, alle frei herumlaufend.

Am Bernhardseck wurden wir sehr freundlich vom Hüttenwirt empfangen. Da wir nahezu die einzigen Gäste waren, wurden wir nett umsorgt, haben ein leckeres essen bekommen und waren im 10-Mann Zimmer ganz allein. Zum Glück musste ich die Erfahrung des Massenlagers noch nicht in dieser Nacht machen…

Erschöpft, aber glücklich sind wir noch vor 21 Uhr in die Haia gefallen.hdr

Nachtwanderung auf den Lilienstein

Wenn du denkst, Abenteuer sind gefährlich, probier’s mal mit Routine. Die ist tödlich. (Paulo Coelho)

Routine durchbrechen, Neues wagen. Etwas tun, wofür alle anderen einen für verrückt erklären. Damit beginnen Abenteuer.

Es war wieder einmal soweit, wir sind raus aus der Großstadt gefahren und rein in die Natur. Es ging wie schon so oft in die Sächsische Schweiz und trotzdem sollte dieses Mal alles anders werden. Denn bei Tageslicht kennen wir das Elbsandsteingebirge nun schon fast in- und auswendig. Es musste schon etwas aufregenderes sein. Deshalb: Stirnlampe gekauft, Kaffee gekocht und noch schnell gegoogelt welche Gefahren sich nachts im Wald verbergen könnten. Aggressive Wildschweine! Wölfe! Beinbrecherische Stolperfallen! Mörder! Ausfallende Stirnlampen! Alles gelesen, für harmlos befunden (ok, teilweise :D) und nachts um 1 Uhr in Leipzig ohne Schlaf losgefahren. Gegen halb 3  sind wir am Fuße des Liliensteins angekommen. Vor uns lag nun erst einmal ein Feldweg, welcher durch den Sternenhimmel und die umliegenden Städte noch relativ „hell“ war. Nach kurzem Fußmarsch und einigen leuchtenden Katzenaugen kamen wir am Waldrand an und was wir gesehen haben war: ein stockfinsterer Wald. War jetzt keine Überraschung, aber schlucken mussten wir trotzdem erst einmal. Im Dunkeln nimmt man den Wald auf jeden Fall ganz anders war. Alle Geräusche werden aufgesogen, interpretiert und am Ende doch ignoriert, denn es wird schon nichts Gefährliches sein. Der Anstieg war kurz und steil, weshalb wir schon nach 30 Minuten den Gipfel des Liliensteins erreichten. Somit waren wir natürlich viel zu früh oben und wir hatten noch etlich Zeit, um den dunklen Ausblick zu genießen. Bis um 5 Uhr die Sonne aufging haben wir den aufsteigenden Nebel beobachtet, gefrühstückt, Bilder gemacht und einfach die Ruhe der Morgendämmerung genossen. Für den dann folgenden Sonnenaufgang hat sich aber alles gelohnt! Ob wir so schnell allerdings wieder eine schlaflose Nacht dafür in Kauf nehmen, bleibt fraglich.

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Anna

PS: Die wunderschönen Bilder hat Lukas geknipst. Schaut gerne bei ihm vorbei für mehr Impressionen. https://lbm5.wordpress.com/

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