E5-Alpenüberquerung. Etappe 2

180 Kilometer.

6200 Hm bergauf.

7300 Hm bergab.

In 7 Tagen.

Etappe 2 führte uns vom Bernhardseck zur Memminger Hütte auf 2242Hm. Die Strecke betrug 18,45 Kilometer und kostete uns an die 10 Stunden Fußmarsch,Nerven aus Stahl und viel Sonnencreme.

Das gut behütete Bernhardseck war alles andere als überlaufen, so dass die Nacht ruhig war und wir ausgeschlafen am frühen Morgen starten konnten. Es ging zunächst über viele Felder und durch dichte Wälder. Hauptsächlich liefen wir hier bergab. Ich hatte schon Muskelkater (in den Schienbeinen), was das bergab-laufen teilweise sehr unangenehm machte. Unten im Ort angekommen gab es erst einmal Brotzeit und wir mussten uns kurz Zeit nehmen, um die Lage zu checken. Heißt: Kaffee trinken, Obst kaufen, Süßigkeitenvorrat aufessen und Wetterbericht gucken. Denn der Hüttenwirt vom Bernhardseck warnte uns vor: Heute wird es regnen und Gewittern! Wer da hoch in die Berge geht, ist selber Schuld. Das Wetter schien sich allerdings noch zu halten, die Sonne schien zwischen den Wolken immer wieder kräftig durch. Es folgte ein ellenlanger, geteerter Weg, relativ unspektakulär. Fast wurde mir schon ein wenig langweilig… Bis wir an eine Kreuzung kamen an der uns ein Schild darauf hinwies, dass hier ein „Abenteuerweg, von Kindern für Kinder“ entlang führen würde.Ich rechnete irgendwie mit einem normalen Weg mit Rätselschildern für Kinder. Stattdessen erwartete uns ein zusammengefallener Weg, ungewollte Kletterpassagen am Fels weil Weg weggebrochen, Tiergerippe (Murmeltiere?), Balancieren am Abgrund ohne Sicherung und die völlige Einsamkeit. Ich wollte Abenteuer, da hatte ich sie.

Fragen, die man sich auf verlassenen Wegen stellt:

Wer findet mich, wenn ich abstürze?

Wie rette ich ohne Handy jemand anderes, ohne mich in Gefahr zu bringen?

Wie kackt man umweltfreundlich in den Wald?

Ob Gewitter in den Bergen wohl sehr gefährlich sind?

Warum bin ich hier? (Nicht hier, sondern hier 😉 )

Kinderweg gut überstanden, gab es an der nächsten Hütte ein Bierchen zur Stärkung und dann ging es weiter Richtung Memminger Hütte. Unten am Berg gibt es eine Gepäckbahn, doch dieser trauten wir nicht so recht. Irgendwann merkt man den Rucksack eh nicht mehr. Laut Beschilderung waren es hier noch 2,5 Stunden bis zur Memminger Hütte. Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich denke wir haben schlappe 5 Stunden gebraucht. Diese Anstiege sind wir als Flachländler einfach nicht gewohnt, vor allem in der brütenden Hitze. Die letzten 5 Stunden waren sehr schön und aussichtsreich, haben sich aber hingezogen wie zäher Kaugummi. So waren wir sehr, sehr froh, als wir endlich die Hütte sahen. Der Weg dahin war so menschenleer, dass ich echt erstaunt war, dass die Hütte so voll war. Hier treffen viele große Wanderwege aufeinander und wir waren wahrscheinlich die einzigen Gäste ohne Reservierung. Alle Zimmer: Voll! Bettenlager: Voll! Notlager: Voll! Ich habe also auf dem Flur geschlafen. Nicht geschlafen. Gelegen.

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Gemütlich

Fazit: Diese Erfahrung muss man machen, auch wenn die Memminger Hütte einfach gnadenlos überfüllt ist. 4 Toiletten für hunderte von Menschen?! Geht alles.

Was mir während allen Hüttenübernachtungen bewusst geworden ist:

Ressourcen sind teuer und nicht überall auf der Welt frei verfügbar. (Wasser. Vor allem warmes)

Das Leben geht auch ohne WLAN, Netz, Strom und social-media weiter. Es geht nicht nur weiter, es ist sogar besser.

Zu Hause leben wir im absoluten Überfluss.

Schöne Aussichten gibt es überall. Man muss sie nur sehen. 

Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen. Hast du die Ehre eine zu hören: Hör zu. 

 

Anna

 

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2 Kommentare zu „E5-Alpenüberquerung. Etappe 2

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  1. Wunderbar geschrieben. Freue mich schon auf deine nächsten Teile der großen Geschichte, besser jetzt niederschreiben, als in 30 Jahren davon erzählen wollen und nur noch 10% wissen. Das Zitat am Ende gefällt mir auch sehr gut und trifft gerade sogar meine Einstellung bei großen Runden oder treffen mit Freunden 🙂

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