E5-Alpenüberquerung. Etappe 3

180 Kilometer.

6200 Hm bergauf.

7300 Hm bergab.

In 7 Tagen.

Trommelwirbel bitte. Popcorn holen. Es folgt nun: Die aussichtsreichste und anspruchsvollste Etappe unserer Alpenwanderung.

Halb 3 morgens. (Kleiner Reminder an dieser Stelle: ich habe auf dem Flur genächtigt). Zeit um Duschen zu gehen. Sicher habe ich im Waschraum jetzt meine Ruhe, während alle anderen noch schlafen. Falsch gedacht, denn diese Idee hatten wohl mehrere Leute. Ob die wohl alle, so wie ich, nicht mehr schlafen können weil es zwischen schnarchenden Menschen und knallenden Türen doch ziemlich laut ist? Halb 4 lege ich mich wieder in meine Schlafecke. Noch 2 lange, ungemütliche Stunden bis zum Frühstück… Tiefschlaf wird überbewertet.

Aufbruch zur Seescharte um 7 Uhr. Die großen Wandergruppen mit Wanderführer sind zum Glück schon vor uns los, so dass wir uns den Weg mit lediglich 10.000 anderen einsamen Wanderern teilen mussten. Einsamkeit sieht anders aus, aber immerhin kommt man so auch unterwegs leicht mit Gleichgesinnten ins Gespräch.

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Ließen sich nicht stören: Steinböcke

Der Weg wurde ziemlich früh ziemlich steil und steinig. Über große Geröllfelder ging es direkt Richtung Gipfel auf 2.600 Höhenmeter. ‚Geröllfelder‘ mag harmlos klingen. Aber ein kleiner, unaufmerksamer Tritt oder ein Ausrutscher nach links oder rechts, kann hier den Sturz in ungeahnte Tiefen bedeuten. Mit jedem Schritt weiter wird die Luft dünner, die Beine schwerer und der Kopf freier.

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Wie können Steine so schön sein?
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Gleich geschafft.

Kurz vor dem Gipfel hieß es dann erst einmal Schlange stehen, denn am kleinen Klettersteig der Seescharte stauten sich die Massen dann doch etwas. Doch das warten hat sich mehr als gelohnt. Denn: Klettern ist schön. Die Aussicht ist von oben ist aber noch viel schöner. Dieser Moment, über den höchsten Punkt des Berges hinüber zu schauen und zu wissen, was man geleistet hat. Zu wissen: Dafür bin ich hier. Grenzen überwinden, Risiken eingehen. Momente genießen. Alles genießen. Genießen zu spüren, dass man am Leben ist.

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Ein Aussichts-Junkie bin ich ja sowieso. Aber dieser Ausblick ist halt einfach SO. SCHÖN. 

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es auf der anderen Seite wieder bergab. Muskulär begann hier der anstrengende Teil. Denn 6 Stunden bergab laufen heißt auch, 6 Stunden zu bremsen. Das hat irgendwann so in den Waden und in den Schienbeinen gebrannt… Gebrannt hat es auch von oben, denn es war mittlerweile Mittags und die Sonne hat ihr übriges getan.

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Pause mit Blick.

Endlich unten angekommen haben wir die Füße im Bach gekühlt und sind dann zügig weiter, denn wir dachten die nächste Hütte würde bald kommen. Dem war auch so, aber die Hütte hatte geschlossen. Hungrig ging es also weiter. Die Wege wurden flacher, die Umgebung wurde grüner und da waren sie wieder: Die Kühe. Plötzlich standen wir vor einer Kuhherde. Bestimmt 20 Kühe auf einmal. Mitten auf dem Weg. Erst einmal googeln, ob die gefährlich sind und wie man sich am besten verhält, wenn Kälber dabei sind. Ach ups: Netz und Internet gibt es immer noch nicht. Also einfach durch.

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Süß der Kleine.

Nach einer kurzen Stärkung mit Brot, Käse und Skiwasser ging es dann auch die letzten 3 Stunden Richtung Zams. Dort angekommen war es schon ziemlich spät und wir hatten ein klitzekleines Problem: Wo schlafen wir? Unterkunft noch nicht gebucht, fingen wir ziemlich verzweifelt an uns durch die halbe Ortschaft zu telefonieren. Aber alles ausgebucht oder zu teuer. Doch eines war klar: Diese Nacht wird es ein richtiges Bett, ohne 200 Zimmergenossen. Und dann sprach uns eher zufällig die Rettung des Abends an. Eine Frau, sie meinte wir sähen aus als ob wir ein Zimmer bräuchten. Gesagt getan. Diesen Luxus von einem weichen, trockenem Bett, einer warmen Dusche und einem frischen Frühstück muss man erst einmal schätzen lernen. So gut geschlafen habe ich wahrscheinlich noch nie.

In diesem Sinne: Gute Nacht.

Anna

 

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