Die Entscheidung glücklich zu sein

Es ist meine Geschichte über das wahrscheinlich erkenntnisreichste Wochenende meines bisherigen Lebens. 

Ich saß im Zug. War traurig. Zur Ablenkung hatte ich ein spannendes Buch dabei. Gelesen habe ich höchstens eine Seite. Denn ich konnte vor lauter Tränen die Buchstaben nicht mehr sehen. Ich hatte nicht einmal Taschentücher dabei um die Tränen weg zu wischen, aber ich wollte sie auch gar nicht weg wischen.  Ich wollte den Schmerz fühlen und in aller Öffentlichkeit raus lassen. Schließlich wird in Zügen ja auch ständig laut gelacht, wieso also nicht einfach mal drauf los heulen. Nur eines fand ich komisch: Es hat keinen interessiert. Der Zug war rappelvoll und keiner hat sich erkundigt, ob alles okay bei mir ist. Stellt euch mal vor, ich wäre gestolpert und hätte mir das Bein gebrochen. Alle wären aufgesprungen, hätten mir aufgeholfen und vielleicht einen Arzt gerufen. Weil ein gebrochenes Bein eine sichtbare Wunde ist. Wunden müssen geheilt werden. Ein gebrochenes Herz ist auch eine Wunde. Auch diese Wunde muss geheilt werden. Mit viel Selbstfürsorge, Liebe, Zeit und Selbstreflexion. Erkenntnis Nr. 1: Pflege deine Seele mindestens so intensiv wie deinen Körper

Ich stieg aus und kam in der schönsten Stadt der Welt an. Die Sonne schien und hat das dreckige Bahnhofsviertel ein wenig heller erleuchten lassen. Ich war noch etwas geschwächt von meiner inneren Wunde, so dass ich mich mitten in dieses dreckige Bahnhofsviertel gesetzt habe, um ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen. Dabei blieb mein Blick an einem offensichtlich Obdachlosen hängen. Wer den letzten Blogeintrag gelesen hat weiß ja, dass mich Obdachlosigkeit nicht kalt lässt. Ich schaute mir den Mann ein paar Minuten an. Kaputte Hose, durchgetretene Schuhe, dünne Jacke und ein tieftrauriger Gesichtsausdruck. Es ist Ende November! Was muss dieser Mann gefroren haben.  Was muss dieser Mann durchlebt haben, um so einen traurigen Eindruck zu hinterlassen. Hätte ich ihm an diesem Tag meine Geschichte erzählt, hätte er sich vielleicht gedacht: Hat die ein Glück.So viel Freude im Leben, da wäre ihr doch ohne die traurigen Phasen total langweilig. Und es stimmt.Wir sollten so viel mehr Dankbarkeit für das zeigen, was uns selbstverständlich erscheint. Wohnung, festes Einkommen, regelmäßiges Essen, saubere Kleidung, liebe Menschen die uns Halt geben wenn wir traurig sind. Es gibt Menschen mit wirklich schlimmen Schicksalsschlägen, denen es deutlich schlechter geht als mir. Und auch diese Menschen scheinen das irgendwie zu überleben. Am Anfang meiner Traurigkeit dachte ich noch: „Es geht keinem so schlecht wie mir“. Aber das stimmt nicht. Jedem geht es mal schlecht und es geht sehr, sehr vielen Menschen sehr viel schlechter als mir. Deshalb kommt jetzt Erkenntnis Nr.2: Es ist nicht so schlimm.  

Gleiches Wochenende, neuer Tag. Ich traf mich mit einer Freundin, die sagen wir mal..neulich in eine ähnliche Situation geraten war wie ich. Mit dem Unterschied, dass meine „Situation“ noch sehr viel frischer ist und meine Freundin in der Verarbeitung wahrscheinlich schon sehr viel weiter ist als ich. Genau deswegen konnte sie mir aber wirklich weiter helfen und mir die Augen öffnen. Wir gingen spazieren, denn spazieren hilft immer. Ich erzählte ihr kurz meine Geschichte. Und anstatt solche Dinge wie „oh wie schade“, „Das wird schon wieder“, „kopf hoch“ oder „er wird schon merken dass es ein Fehler war“ zu sagen, sagte sie mir knallhart, dass das Ganze eh zum Scheitern verurteilt war. Dass es wahrscheinlich das Beste ist. Denn die Liebe ist wie alles andere im Leben eine Entscheidung. (Erkenntnis Nr.3) Und für eine Partnerschaft müssen sich beide Partner aktiv und mit vollem Bewusstsein für diese Beziehung entscheiden. Diese Entscheidung sollte auch später nicht durch schwierige Phasen angezweifelt werden. Zweifeln ist zwar okay und wichtig. Aber auch hier werden wieder ganz bewusst Entscheidungen getroffen. Will ich diesen Weg weiter gehen? Will ich versuchen eine Lösung zu finden oder will ich der schwierigen Situation entfliehen und es mir leicht machen? Will ich, dass es mir gut geht und muss ich dafür etwas ändern? Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Will ich dieses Gefühl zu lassen? Wir entscheiden uns für und gegen unsere Gefühle,so wie wir auch entscheiden mit wem wir unser Leben teilen möchten. 

In dem Gespräch mit meiner Freundin sagte Ich so etwas wie: „Aber keiner ist so toll wie er. Noch nie zuvor konnte ich mich jemandem gegenüber emotional so öffnen. Keiner wird sich jemals wieder so für mich interessieren.“ Aber das ist natürlich totaler Bullshit! Es war MEINE Entscheidung mich zu öffnen. Es war meine Entscheidung mich vor so vielen anderen Personen zu verschließen. Wenn ich will, kann ich mich jeder anderen Person gegenüber öffnen und Gefühle zeigen. (Nr. 4). Das hat rein gar nichts damit zu tun, dass mein Gegenüber sonst wie toll ist. Es liegt allein in meiner Hand. Gefühle für alle! 😀 

Erkenntnis Nummer 5 ist eigentlich gar keine neue Erkenntnis.  Es ist etwas, dass ich schon immer wusste und sogar gelebt habe! Ich vergaß es nur zwischenzeitlich. Meine rosarote Brille war ganz schön beschlagen. Die Erkenntnis lautet: Ich brauche keine Beziehung um glücklich zu sein.  Es war zwar wirklich unglaublich nice to have, aber keineswegs essentiell. Wirklich wichtig ist es, dass ich mich selber liebe, mit mir im reinen bin und ich selbst mein stärkster Wegbegleiter bin. Und genauso ist es auch mit allem anderen im Leben. Lange dachte ich, ich wäre unglücklich weil ich im Beruf unzufrieden wäre, weil meine Wohnung zu klein wäre und das nicht vorhandene Auto zu langsam. Aber das ist Quatsch. Solche Äußerlichkeiten können noch so perfekt sein, machen aber nicht glücklich. Ich mache mich ganz allein glücklich und kann DANN die Äußerlichkeiten optimieren.

Und bevor dieser Eintrag hier überdimensional lang wird, komme ich nun zu meiner letzten Erkenntnis von diesem Wochenende: Sei dankbar! Dankbarkeit ist für mich schon lange eine wichtige Haltung, aber in schwierigen Phasen fällt es eben manchmal schwerer sich daran zu erinnern.   

   

                Sei dankbar für den Schmerz, denn er lässt Dich stärker werden. 

                  Sei dankbar für herzerwärmende, schöne Erinnerungen. 

                 Sei dankbar für Trauer und Wut.

                Sei dankbar für aussichtslose Situationen, denn sie lassen dich                          nach neuen Lösungen suchen.                                                                                                                               

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